Was macht einen guten Musiker aus?

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Was einen guten Musiker ausmacht ist eine Frage, die nicht so einfach beantwortet werden kann. Wenn man 10 Personen mit dieser Frage konfrontiert, erhält man mindestens 11 unterschiedliche Antworten. Anstatt diese Frage direkt zu beantworten müssen wir uns anhand einiger Bespiele verdeutlichen, dass es viele unterschiedliche Variablen gibt. Diese Variablen und Kriterien sind bis zu einem bestimmten Grad objektivierbar.

Ist jemand der 128stel Noten präzise und messerscharf trifft und minutenlang brillant wiedergeben kann ein besserer Musiker als der Gitarrist, der mit 4 Akkorden tausende von Menschen in einem Konzertsaal emotional in alle Winkel des Universums schickt?

Nehmen wir als konkretes Beispiel André Rieu. Der holländische Violinist begeistert seit Jahrzehnten weltweit ein großes Publikum. Dies macht ihn jedoch keinesfalls zu einem guten Musiker. Sein Können wird in den klassischen Fachkreisen eher belächelt.

Zu seinem Können gehört jedoch auch, dass er sein Johann Strauss Orchester so arrangiert, dass es perfekt ins Bild passt und das Publikum zu Jubelstürmen hinreißt. Man muss das Arrangieren ohne Zweifel dem Musiker Rieu zugute schreiben.

Viele begnadete Orchestermusiker sind technisch perfekt, waren aber eben nicht in der Lage selbst die Musik zu arrangieren oder zu schreiben. „Moment mal…“ wird nun so Michael_Jackson1_1988mancher aufschreien. „Musik schreiben ist Aufgabe eines Komponisten, nicht des Musikers.“. Auch dies ist nur zu einem gewissen Grad wahr. Die geschriebene Musik muss nämlich erst mal gespielt werden. Dies macht der Musiker mit seiner eigenen Interpretation der Linien auf dem Notenblatt. Wenn er punktgenau alles spielt ist die Chance groß, dass ein steriles Ergebnis herauskommt. Dann hat man einen schlechten Musiker und einen schlechten Komponisten.

Ist ein Jazzschlagzeuger ein besserer Drummer, weil er komplexe Rhythmen spielen kann? Vielleicht ja, vielleicht nein. Setzt man ihn hinter die Schießbude von Slayers Dave Lombardo fallen ihm mit Sicherheit nach den ersten 15 Sekunden Double-Bass Gewitter die Füße ab, ohne überhaupt auf die Anzahl der Beats zu kommen.

Was einen guten Musiker ausmacht ist offensichtlich komplizierter als die berühmte Frage mit dem Huhn und dem Ei.